Unsicherheit ist in den meisten Fällen die Abwesenheit von Sicherheit.
Veränderung und Unsicherheit: Was das Leben mich gelehrt hat
Die einzige Sicherheit im Leben scheint es zu sein, dass sich das Leben garantiert ständig verändert. Dauernd. Manchmal sehnen wir die Veränderung sogar selbst herbei. Nach all den Jahrzehnten bin ich mir sicher, dass ich Veränderungen grundsätzlich sehr mag. Ganz sicher kann ich mir nie sein, auch du weißt, die nächste Veränderung, sie wartet schon ums Eck.
Ich bin eine, die von anderen ausgelöste Veränderungen im ersten Moment gründlich hasst. Dafür finde ich Gründe in meiner eigenen Biografie. Sie den Umständen entsprechend Schritt für Schritt anzunehmen haben mich das Leben und unterschiedliche Lehrer:innen gelehrt. Auch, die Veränderungen im Idealfall zu lieben. Dankbarkeit wenigstens später zu entwickeln, wenn sich rückwirkend abzeichnet, dass sie tatsächlich für mich gut waren. Mittendrin in der Veränderung fühlt es sich meistens chaotisch, erschreckend und überfordernd an.
Mit jeder Krise, die Veränderung auslöst, steigt die Chance, sich vertrauensvoller durch die nächste zu bewegen. Das ist vielleicht der Vorteil, wenn mensch älter wird. Wir Älteren haben gelernt, dass Krisen dazu gehören. Dass sie ihren Schrecken verlieren, wenn wir nicht sofort rennen oder erbittert Widerstand leisten oder überhaupt sofort den Kopf in den Sand stecken. Das geht nicht immer. Aber manchmal eben doch.
Kontrolle und Scheinsicherheit
Was also, wenn wir lernen, mit Unsicherheit zu leben? In meiner jahrelangen Auseinandersetzung mit meiner eigenen Beziehungssucht komme ich dem Kontrollfreak in mir sehr rasch auf die Schliche. Kontrolle vermittelt Scheinsicherheit. Wenn ich dich kontrolliere, dann fühle ich mich vorübergehend sicher. Ich. Was mit dir ist, ist mir zu diesem Zeitpunkt eher gleichgültig. Dass du mein Verhalten höchstwahrscheinlich blöd und sogar erstickend schrecklich findest, ist die andere Seite der Medaille. Aber meiner eigenen Unsicherheit grabe ich für den Moment das Wasser ab. Ich habe mich in der Hand.
Was wir oft vergessen: Wenn unsere Aufmerksamkeit ständig bei den anderen, ihren Plänen, ihren Entscheidungen, ihrem Verhalten ist, dann geht uns doch die Puste aus, oder?
Was würde wohl passieren, wenn all diese gut gemeinte Energie bei dir bleiben dürfte? Bei deinen eigenen Träumen, die so lange warten mussten?
Aurica die Goldene: Eine Figur für das Leben mit Unsicherheit
Aurica sitzt hier vor dir für die völlig normale Unsicherheit im Leben. Sie lernt, damit zu leben. Noch verbirgt sich der queere, bunte Fisch hinter ihrem Rücken. Es ist ein Lippfisch. Es gibt ihn wirklich. Im Laufe seines Lebens wechselt er immer wieder das Geschlecht, wenn es nötig ist. Ganz natürlich, ohne große Aufregung. Weil es der sozialen Gruppe der Lippfische dient.
Der Lippfisch hinter Auricas Rücken
Den verbirgt meine liebenswerte Rättin hinter ihrem Rücken. Glaubt sie jedenfalls. In Wahrheit ist er sehr gut sichtbar. Jeder sieht ihn. Aurica denkt, dass er gut verborgen ist. Dass sie ihn gut hinter ihrem Rücken versteckt. Doch dieses freundliche, strahlende Wesen muss überhaupt nichts verbergen. Sie bekommt von mir im Pridemonth Juni den Namen "Die Goldene". Als Unterstützung. Für die Liebe, die sie repräsentiert. Und geht es nicht in diesem Leben am Ende ausschließlich darum? Dass wir geliebt haben in unserem Leben? Dass wir all den Schutt und die Steine von der Quelle weggeräumt haben, dass Liebe selbstlos fließen kann.
Wo gehts raus aus diesem Kreislauf?
Selbstverständlich geht es um die Liebe in ihrer puren, reinsten Form. Wir alle haben unsere Verletzungen. Jede und jeder wird sich im Laufe dieses Erdenlebens mit Wunden und Narben und Prägungen auseinander setzen. Das bringen unsere Biografien in unseren Kulturen mit sich. Dafür gibt es einerseits den Freund:innenkreis. Die Reflexion, die Auseinandersetzung mit Strategien, die uns möglicherweise nicht mehr dienen. Und andererseits Therapeut:innen und seit ein paar Jahren auch auch Traumatherapeut:innen, die uns unterstützen, aus dem Kreislauf des tief gespeicherten Erlebten auszusteigen. Und tausend und eine andere Sache, die uns Menschen in Friedenszeiten unterstützt.
Mit Abstand sehen: Wie mir Kunst hilft
Mich und meine Prägungen und Verletzungen in Form meiner liebenswerten Figuren mit Abstand zu betrachten, hilft mir. Mit Abstand tut vieles weniger weh. Sehe ich mehr, weil das Gefühl meinen Verstand nicht vernebelt. Und mir hilft es, danach mit Vertrauten zu reden. Ganz ohne Lösung. Die Lösung kommt bei mir so oft aus mir selbst. Ich höre mir beim Antworten dabei zu, wie ich neue Wege finden könnte. Oder weil mir Menschen begegnen, Bücher, Situationen. Wir nennen das auf diesem Planeten "Leben". Reden wir über unsere Unsicherheiten! Hören wir auf, sie zu verdrängen und mundtot zu machen. Es funktioniert eh nicht.
Und was hilft dir, wenn dich die Unsicherheit im Nacken packt? Gerne lese ich mir deinen Kommentar dazu durch. Und lerne wieder etwas dazu.
Aurica darf jetzt adoptiert werden
Aurica ist die allerletzte Ratte aus dieser Serie, die noch adoptiert werden kann. Selbstverständlich mit ihrem Freund, dem Lippfisch.
Wenn sie dich berührt, vielleicht weil du gerade mehr Halt in dir selbst suchst, als du bei anderen finden kannst, dann lerne sie in der Galerie kennen. Oder erzähl mir einfach, was dich beschäftigt: Schreib mir hier oder buch dir ein Kennenlerngespräch. Ich freue mich auf dich.
