Lisa Engel, Künstlerin, meiner Paperclay-Figur in Form eines Smartphones mit Gesicht

Mit 50 habe ich Kamera und Presseausweis weggelegt, um ein Versprechen an mich selbst einzulösen.
Hier erzähle ich, was mich getragen hat und wie meine Schwellenfiguren entstanden sind.

Lisa Engel:
Die Journalistin, die mit 50
Künstlerin wurde

Zwischen den Welten

Kunstfigur Marina mit langem, roten Haar und blauem, besticktem und bemaltem Mantel steht am Meer und blickt aufs Wasser.

Am Rande des Meeres

Ich erinnere mich noch genau. Die lange Nachtfahrt nach Rimini an der italienischen Adria. Meine Schwester und ich, wir husten und husten. Der Vater bringt uns in einer Nachtfahrt zur Luftveränderung ans Meer. Und dann stehe ich da. Am Rande des Wassers, das bis zum Gehsteig schwappt. Die Luft ist salzig. Nur ein Schritt und meine Zehen berühren zum ersten Mal morgenkühlen weißen Sand. Wohin ich auch schaue, keine Berge. Nur Weite. Die Sonne taucht pastellfarben aus dem Meer auf.

In mir löst sich etwas. Ich schaue auf diese Schwelle zwischen Wasser und Himmel und fange an, zu weinen. Nicht aus Verzweiflung, nicht aus Sehnsucht nach daheim. Sondern aus purer, körperlicher Erleichterung. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich frei atmen.

Dieses Gefühl vom sicheren Boden unter den Füßen und unendlicher Weite erfahre ich noch oft in meinem Leben, wenn ich an einem Meer dieser Welt stehe.

Die entspannte Arbeit an meinen Figuren löst ähnliche Gefühle in mir aus. Irgendwann im Prozess gibt es den Moment, in dem die Welt einen Augenblick den Atem anhält und ich mich im Schöpfungsprozess in meine Figur verliebe. Ich bekomme Impulse, was diese Figur ausdrücken will, welche Geschichte sie erzählt und wohin es sie zieht. So entwickeln sich meine freien Kunstfiguren an den natürlichen Übergängen im Leben.

Befreiende Grenzen

Mit 50 zurück zu mir

Mein Weg zur Kunst ist alles andere als einfach. Jahrzehntelang prägt mein berufliches Leben die Arbeit als freischaffende Journalistin und Pressefotografin einer lokalen Tageszeitung. Diese Zeit als alleinerziehende Mutter und Kleinunternehmerin lehrt mich, genau hinzuhören und interessante Geschichten einzufangen. Ich lerne meine persönlichen Leistungsgrenzen kennen, indem ich sie überschreite. Ohne mein Netz an Freundinnen und Freunden wäre ich verloren gewesen.

Wenn der Schüler bereit ist…
Mein Redakteur schickt mich mit Stift und Kamera zu Künstlerinnen und Künstlern. Bei einer dieser Reportagen lerne ich meinen zukünftigen Mentor kennen. Er begreift schnell, dass meine innere Künstlerin nach Verwirklichung drängt. Ich beginne ein Studium der Malerei an einer Akademie für Bildende Künste und Literatur. Er schult mein Sehen in Kompositionen und Farben und abstrakter Malerei. Malend und fotografierend entwickle ich mich in meiner Freizeit weiter.

Meine Antennen
Meine eigenen Grenzen zu überschreiten prägt mich. Was mich diese Jahre als Journalistin tiefgreifend lehren, ist das Hören zwischen den Zeilen. Ich nutze meine feinen Antennen für das Ungesagte. Für Bilder, Emotionen und Zwischentöne, die unter der faktenbasierten Oberfläche liegen.

Mein Schritt in die Welt der Kunst an meinem 50. Geburtstag ist kein Bruch mit meiner Vergangenheit, sondern eine gesunde Weiterentwicklung.

Denn heute übersetze ich jene Geschichten, die ich höre und spüre, nicht mehr in Printartikel, sondern in dreidimensionale, ehrliche Portraits. Wendepunkte im Leben bekommen von mir eine beseelte Verkörperung durch eine Kunstfigur.

Der 50. Geburtstag
BestAger, sagen sie. Queenager. Die beste Zeit meines Lebens. Eine dreiwöchige Reise nach Cape Breton im Osten Kanadas. Ich würde am liebsten sofort auswandern. Doch ich komme wieder heim. In der kreativen Arbeit mit zugezogenen Flüchtlingen fällt mir mein Versprechen an mich ein. Ich fange an, figürlich zu arbeiten.

Schlaflose Nächte
In mir rumort es. Wochenlang. Monatelang. Nächte, in denen ich Horrorszenarien durchspiele, was geschehen könnte, wenn niemand meine Kunst will, die mir so viel bedeutet.

Zu alt für einen Neuanfang? Mein Weg mit 50.
Ist es nicht einfach zu spät, mit 50 beruflich umzusatteln? Ich bekomme viel Bestärkung aus der Familie und dem Freundeskreis. Mein Mann sagt: “Ich verspreche dir, du wirst in einem Jahr zurückschauen und dankbar sein, dass du begonnen hast”.

Der Schritt aus dem gewohnten Rahmen der Medienwelt und der Sicherheit des Zuverdienstes in das Ungewisse der freien Kunst ist der mutigste und der befreiendste Moment meines beruflichen Lebens.

Ich melde mein Freies Gewerbe als Journalistin und Pressefotografin ab. Habe ich wackelige Knie? Ängste und Sorgen? Und wie!

Kunstunternehmerin werden
Die unerfahrene Künstlerin in mir hat in kürzester Zeit eine Menge zu lernen. Einerseits handwerklich begeistert und hingebungsvoll im Atelier an neuen Ideen zu arbeiten. Als Kunstunternehmerin beschäftige ich mich auch mit Marketing und Management. Mit Organisation und Social Media. Was für eine neue Welt!

Heute weiß ich, dass meine Kreativität im Atelier eingeplante Pausen braucht, um sich zu entfalten. Nur so kommt meine Kunst aus der Tiefe meines sensiblen Erlebens. Eine flexible Struktur hilft mir, diese Räume frei zu halten.

Es ist wunderbar, dass es Menschen gibt, die sich von meinen Figuren gesehen und angezogen fühlten. Eigentlich erzähle ich immer noch Geschichten. Vom gelingenden Leben, von unseren Stärken und unseren Schwächen, an denen wir wachsen.

Heute sind meine Geschichten dreidimensional, drücken ganz subjektiv und ehrlich ihre Gefühle aus und lieben es, ihre Wirkung zu entfalten.

Lisa Engel mit der Auftragsfigur Karuna die Gütige im pinken Spitzenkleid und gelber Krone, in ihrem Atelier.
Lisa Engel mit der Auftragsfigur Karuna die Gütige im pinken Spitzenkleid und gelber Krone, in ihrem Atelier.

Mein Handwerk

Leidenschaft für Werkzeug und Materialien

Locheisen und ausgeschnittene Filzteile in Braun und aus Papier, Detail aus der Werkstatt

Wer meine Schwellenfiguren sieht, sieht vor allem das fertige Werk. Was unsichtbar bleibt, sind ungezählte Stunden, in denen ich während der Pandemie tief in der Nacht, oft noch im Pyjama und mit heißem Tee, vor dem Computer sitze. Während sich bei uns in Österreich die Menschen voneinander abkapseln oder schlafen, sitze ich in Live-Calls mit Künstlerinnen aus Australien, Amerika, Russland und Neuseeland. Diskutiere mit Expertinnen die idealsten Abfolgen von Arbeitsschritten. Lerne intelligentes Werkzeug kennen, das ich noch nie zuvor gesehen habe.

Von der Puppe zur Schwellenfigur

Auf diese Nächte des Zuhörens und Mitdenkens folgen Wochen und Monate des Ausprobierens. Ich forme mit Filznadeln Köpfe und Figuren aus Schafwolle. Ziehe meinen Kinderpuppen aus der Waldorf-Tradition gestrickte und gehäkelte Kleidung an. Stelle sie erfolgreich aus und bekomme immer mehr Nachfragen.

Nach zwei Jahren möchte ich mehr. Wie stelle ich eine singende, eine lachende, eine weinende Figur dar? Wie sieht eine Figur für erwachsene Menschen aus? Ich zerbreche mir den Kopf über Techniken. Probiere jedes Material aus. Ich orientiere mich an besser haltbarem Material und lande bei lufttrocknendem Paperclay.

Ich lerne so viel dazu. Wie großzügig Wissen in der Onlinewelt geteilt wird! Bei jedem Tutorial zu Handwerk kommen mir kreative Ideen, welche vorhandenen Werkzeuge ich noch ausprobieren könnte. Dieses forschende Eintauchen in den Prozess, das Testen und das ständige Verbessern, ist für mich kein optionales Extra, sondern das Fundament meiner Arbeit.

Wenn du heute eine meiner Schwellenfiguren in den Händen hältst, dann hältst du auch diese intensiven Lernstunden, die Suche nach der richtigen Textur und den Mut, als Selbststudierende jeden Tag ein Stück besser zu werden, in deinen Händen.

Das ist mein Versprechen an dich: Jede Figur, die mein Atelier verlässt, ist das beseelte Ergebnis von nie endender Leidenschaft und tiefem Respekt vor jedem Handwerk, das Menschen entwickelt haben.

Meine Basis:

Respektvoller Umgang mit Ressourcen und weiblichem Wirken

Respekt vor dem Vorhandenen

Meine Figuren entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern atmen meine Werte. In meiner Werkstatt verwende ich Material mehrmals. Ich arbeite mit hochwertigen Textilien, Wolle und Fundstücken, die bereits ein Leben gelebt haben. Ihre Nutzung ist mein selbstverständlicher Beitrag zur Wertschätzung unseres Planeten.

Balance zwischen weiblich und männlich

Meine Figuren drücken unterschiedliche Wirklichkeiten aus. Meistens von und für Frauen in der zweiten Lebenshälfte auf diesem Planeten. Weibliche Erfahrungen sind kulturell vielfältig und einzigartig.

Ich träume davon, dass sich weibliche und männliche Qualitäten eines Tages so ausbalanciert verbinden, dass wir das Menschliche besser leben können. Bis dahin sind meine Figuren Botschafterinnen an der Schwelle dieser Veränderung.

Jede Schwellenfigur trägt weltumspannende Geschichten in sich. Sie sind erfüllt von meiner Liebe und Hingabe im handwerklichen Prozess. Ich lade dich ein, dich auf meiner Galerieseite umzusehen. Vielleicht wartet bereits eine Botschafterin darauf, deine eigene Geschichte ein Stück des Weges zu begleiten.

Das sagen Sammler und Kundinnen

  • Verliebt in Alma

    “Ich habe Alma nicht in Auftrag gegeben. Ich sah sie und verliebte mich sofort, denn verrückterweise „sprach“ Alma mit mir. Sie wollte zu mir und ich war überglücklich, dass die Künstlerin einverstanden war.”

    Sabine Krömer, Deutschland

  • Sie gehört jetzt zu mir.

    „Als ich die Drachin Sissy gesehen habe, wusste ich, dass sie mir gehören wird. Sie hat mich sofort erobert. Innerhalb einer Woche kam sie bei mir an und steht seither bei mir im Wohnzimmer.“

    Micha Cohen, Schweiz

  • Viel mehr als Puppen

    „Sie kam, nahm Platz und siegte. Täglich begleitet mich Aurelia, dieses besondere Wesen, an meinem Arbeitsplatz. Und täglich beweist es mir, dass Puppen dieser Künstlerin viel mehr sind als Puppen.“

    Barbara Ambrusch-Rapp, Österreich

  • Magisch!

    “Yaruna ermutigt mich, mein Leben authentisch zu gestalten. Ich unterhalte mich mit ihr. In ihr sind versteckte Wesenszüge, Gefühlsregungen und ein unveränderbarer Lebensfunken präsent.”

    Christine Haselsberger, Österreich