Ich erzähle dir eine vollkommen wahre Geschichte aus meinem Atelier. Sehr real. Und voll Magie. Denn so kam die die Kunstfigur Frau Ratte zu mir in meinen künstlerischen Alltag.
Frau Ratte: Wie meine Kunstfigurenserie 2020 entstand
Die Ratte. Frau Ratte. Sie begleitet mich, seit ich meiner Panik vor diesem Virus im Jahr 2020 nachspüre, die sich auch in mir auszubreiten beginnt. Im Familien- und Freundeskreis treten Fälle von Erkrankungen auf. Ich darf mich zu den vulnerablen Menschen zählen, ich, die Lisa. Ganz sicher leicht übergewichtig. Ganz sicher Allergikerin gegen Impfstoffbestandteile. Meine Impf-Ohnmachten sind legendär und werden genüsslich im Familienkreis herum erzählt. Von meiner Kurzatmigkeit mal ganz zu schweigen. Und meinen Liebsten oder meine Mutter oder eine verletzliche Person will ich unwissentlich schon gar nicht anstecken. Kennst du, weiß ich. Ist bei mir nicht anders. Als ich mich dieser Angst stelle - taucht Frau Ratte auf. Eine sehr entspannte, sehr geerdete Person. Sie wirkt wie ein weiser Bewohner aus Michael Endes Land Mandala, in das Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer reisen.
Frech, frecher, am frechsten. So sind sie, die Rattenfiguren.
Diese Ratte, ganz offensichtlich weiblich, lächelt. Sagt mir mit blitzenden Augen, ich hätte in dieser Pandemie offenbar Angst davor, jämmerlich zu sterben. Und ob ich bisher gelebt hätte, so, als könnte ich jederzeit sterben. Wenn ich morgen tot sei, wäre dieses Leben die Sache wert gewesen? Ich solle mich an die Regeln unserer Gesellschaft in einer Pandemie halten, niemanden unwissentlich anstecken. Und meinen Weg weitergehen. Ich hätte das Künstlerpuppenmachen ohnehin sehr spät entdeckt. Ein bisschen langsam wär ich halt gewesen die letzten dreißig Jahre. Und uneinsichtig. Aber sie könne das jetzt auch nicht ändern.
Frau Ratte steht lange hier bei mir am Schreibtisch, bevor ich sie zu den anderen Wesen packe, die auf eine Ausstellung warten. Die vielleicht kommt. Vielleicht auch nicht. Was weiß frau schon, was heuer im Herbst los sein wird.
Hey there! Warten auf das Ende dieser Pandemie. Ratten sind deutlich geduldiger als Menschen.
Wenn Krafttiere zu Kunstfiguren werden
Krafttier Ratte. Sagt sich so leicht. Ich bin mit spirituellen Wesen überhaupt nicht auf du und du. Und - es fällt mir auf, wenn mich ein Wesen mehr beschäftigt als sonst. Dass merkwürdige Synchronizitäten auftreten. Ratten waren in Pestzeiten Überträger eines Virus, der Epidemien auslöste. Als ich bei der schamanisch arbeitenden Schwester meiner Freundin Sabine nachlese, was sie zur Ratte zu sagen hat, liest sich das inspirierend. Da hat dieses Wesen das Potenzial, ohne Bedenken mit spitzen Fingern im Dreck zu wühlen, um Altes, Verborgenes auszugraben. Da ist die Rede von inneren Mistplätzen und der Herstellung neuer und unkonventioneller Ordnungen. Und von verborgenen Emotionen und verdrängten Energien, die mensch nun betrachten könne. Haben wir vielleicht heuer sogar das Jahr der Ratte?
Hi there! So schön, wenn frische und duftende Blüten an den Fußsohlen kitzeln…
Als ich meinen ersten Kopf mit dem Material FIMO knete, von dem ich nicht weiß, wer oder was er werden soll, verwandelt er sich unter meinen Händen in einen Rattenkopf. Unerwartet. Und irgendwie vollkommen logisch. Der Besuch der Homepage der fantastischen kanadischen Künstlerin Kate Church, die mir auf der Online Konferenz der amerikanischen Puppenmachergilde NIADA im Sommer 2020 auffällt, bringt Bewegung in die Sache.
Ich liebe diese drahtigen Figuren, die sich recken und strecken und in den unmöglichsten Bewegungen verharren, die es beispielsweise im Zirkus zu bewundern gibt. Was für eine Körperbeherrschung, was für eine Dynamik, was für eine Spannung!
Das Ohr mit der goldenen Narbe
Ich setze mich sofort hin und nähe wurfsackartige Körper, um mit Bewegung zu spielen. Diese quirlige Frau Ratte verlangt nach Gesellschaft, Ratten sind soziale Tiere. Dass ihr beim Liegen im neu angeschafften Halogenbrennofen beinahe ein Ohr abgefallen wäre, das hat sie glücklicherweise vergessen. Das Ohr meiner Ratte klebe ich mit Superkleber zusammen und bemale den Riss mit Goldstift.
"There's a crack, a crack in everything, that's where the light comes in!" Dieses Lied von Leonard Cohen fällt mir ein. Nein, ein Krönchen wolle sie auf keinen Fall, das könne ich mir gleich abschminken. Aber ich hätte doch noch dunkelrotes Fellimitat für die Haare? Und ja, wenn es sein müsse, ich darf sie ein ganz kleines bisschen beglitzern und beperlen. Sie wäre auch ohne glücklich gewesen. Und ich solle mich ranhalten, sie quatsche mir sonst die Ohren voll. Eine Ratte brauche Ratten um sich. Wird gemacht, Hoheit. Ich knete schon wieder Fimo weich, damit ich damit arbeiten kann...
Ein begnadeter Tänzer wartet schon auf Frau Ratte. Wenn sie nur endlich fertig werden würde!
Und du? Welche Figur würde deine Geschichte erzählen? Ich fertige Figuren, die deine eigene Geschichte erzählen. Wie so eine Auftragsfigur entsteht, kannst du hier nachlesen. Und wenn du magst, plaudern wir in einem unverbindlichen Gespräch über deine Idee.
