Ein Schulprojekt über Filzen mit bunter Schafwolle, Stop-Motion und Kunst an einer Volksschule
Die Weitergabe meines kunsthandwerklichen und schreibenden Wissens an Kinder ist mir ein echtes Bedürfnis. Das ist in meinem Leben gleichrangig mit meiner Arbeit im Atelier. Ich wäre als Kind gern Lehrerin geworden. Die Erfahrungen in meiner Schulzeit sind aber so, dass ich diesen Plan aufgebe. Als meine drei Kinder in die Schule kommen, werde ich um Projekte im künstlerisch-kreativen Bereich angefragt. Das passt genau zu mir und den Kindern.
Ein Schulangebot. Und eine Absage: Vom Großprojekt zu Filzen & Filmen
Heuer klappt es zum ersten Mal nicht so gut mit der Teilfinanzierung eines Schulprojektes wie in den Jahren vor der Pandemie. Für unser vielstündiges Theaterprojekt bekommen die Schule und ich nur ein niedriges Angebot. Die Anfrage, ob wir das Projekt verkleinern können, beschäftigt uns alle. Die Projektleitung in der Schule. Die Direktion. Und mich. Schulen haben kaum mehr eigenes Geld für Projekte von außerhalb. Aus meinem anfänglichen entttäuschten "Nein" wird ein "Ich hab was!" Mir fällt nämlich das "Filzen und Filmen" wieder ein.
Ich sage den angefragten Referenten des großen Theaterprojektes ab. Bedanke mich schweren Herzens für die Bereitschaft. Sie hätten gerne dazu beigetragen, dass die Kinder mehr über "ihr" Dorf erfahren. Es soll dieses Mal nicht sein. Spoiler: es wird ein nächstes Mal geben.
Alles umschreiben. Umdenken. Umstrukturieren. Verkleinern und doch in der Qualität hochhalten. Den Kindern zuliebe.
Und dieses Mal bekommen wir eine Zusage. Aus sechs Arbeitstagen werden zwei. Mir ist klar, dass ich daheim schon Einiges vorbereiten muss, wenn wir ein beglückendes Ergebnis erzielen wollen. Vor sinnvoller Arbeit habe ich mich in meinem ganzen Leben nie gedrückt.
Vorbereitung im Atelier: Grundfiguren aus nachhaltiger Schafwolle
Ich weiß, dass 20 Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren mit mir arbeiten werden. Ich treffe den Klassenlehrer und die Projektleiterin, telefoniere mit der Direktorin. Entwerfe ganz grob einen Fahrplan. Teste praktisches Arbeiten mit dem Vierzehnjährigen daheim. Und stecke das Nachbarskind mit "StopMotion" Begeisterung an. In der Praxis sehe ich - uiuiui, das wird knapp mit dem Selbermachen der Figuren. Plus Filmen.
Ergo: verbringe ich einige Tage damit, kegelartige Grundfiguren herzustellen. Der Kern ist geschenkte Schafwolle, die ich nicht verstricken kann. Ich kann sie statt Styropor zu figürlichen Grundkegeln formen. Den Kindern bleibt die Aufgabe, "ihre" Figur einzukleiden. Mit bunter Schafwolle und der Filznadel. Die Figuren werden ein Holzplättchenpodest aus Alexanders Holzwerkstatt bekommen. Hauptsache sie sind später standfest.
Nadelgefilzte Figuren warten auf ihren Auftritt vor der Kamera.
Stop-Motion im Klassenzimmer: Wenn Filzfiguren laufen lernen
Im Gespräch mit meinem liebsten Alexander wird klar, dass ich eine transportable, stabile Bühne brauche. Kaufen? Oh nein. Ein Handwerker. Ein Mann. Ein Wort. Er plant eine. Eine, die auch noch gut ins Auto passt. Und dann wird gesägt, gebohrt und gehämmert.
Bei meiner Recherche finde ich heraus, dass es praktische Bluetooth-Auslöser gibt, damit die Kamera beim oftmaligen Auslösen nicht wackelt. Mein Mann bietet mir seinen an. Irgendwie spüre ich, ich brauche einen professionelleren. Sicherheitshalber bestelle ich mir einen. Der Verkäufer verspricht, dass sich das locker ausgeht.
Parallel ergibt es sich, dass ich angefragt werde, ob ich im Sommer und im Herbst bei StopMotion-Arbeiten in einem Klagenfurter Wissenswertwelt-Museum unterstützen könnte. Ob ich kann? Ich will! Und sage begeistert zu.
Zwei Tage. Zwanzig Kinder. Und ich.
Jede Schule ist ein bisschen anders. Das weiß ich nach all den Jahren schon. Köstenberg hat eine recht kleine Landvolksschule. "Meine" Klasse ist eine jahrgangsübergreifende der dritten und vierten Schulstufe. Als ich frühmorgens vorfahre und einparke, überlege ich mir, was ich alles beim ersten Weg in die Klasse mitnehme. Ich öffne die Autotür. Da stehen vier Knirpse und strahlen mich an. "Guten Morgen, können wir Ihnen helfen?" In Nullkommanix sind alle Kisten, Flipchart, Lampen und ein paar Säcke an die Jungs verteilt und ich muss schauen, dass ich ihnen nachkomme.
Wir dürfen im hellen, freundlichen Werkraum arbeiten, was für ein Vergnügen! Zwei Pädagoginnen wechseln sich ab, um mich mit dem vollen Programm zu unterstützen. Sogar die Direktorin kommt vorbei und begeistert sich für unsere Arbeit. Der erste Vormittag dient dem theoretischen und praktischen Kennenlernen von Animationsfilm. Und der Entwicklung von fünf Szenen, mit Storyboard und Überlegungen für Hintergrund und Accessoires.
Heuer fällt mir auf, dass die Konflikte in und um die Geschichte gewaltbereiter sind als in den Vorjahren. Ich lasse den jungen Menschen den Raum, sich mit Gewalt, dem Krieg in Osteuropa und in Palästina auseinander zu setzen. Es gibt einige mit bis zu den Zähnen bewaffnete weiche Filzfiguren. Es tut allen sichtlich gut, dass ich nicht kategorisch einschreite sondern mitfühlend und mitdenkend bei ihren Geschichten bleibe. Und dass wir Lösungen suchen und finden, mit denen auch die Kinder zufrieden sind. Sehr berührend ist für mich eine Szene: zwei Gruppen haben sich für den gleichen beliebten Ort ihrer Szene in der Geschichte entschieden. Die Lehrerin sagt im Vorbeigehen: "Ihr wisst eh, Schere, Stein, Papier." Das Ergebnis nach drei Runden wird ohne Murren akzeptiert.
Ob wir die beiden Buben und ihre Werklehrerin als Berater zu unseren Männern in der Politik schicken?
Der zweite Tag in der Folgewoche wird technisch. Zuerst eine große Überraschung in der Früh: aus der besprochenen Zeichnung für eine Szene ist ein Labyrinth aus Sperrholz, bemalt und mit Pflanzen beklebt, geworden. Einen Meter mal einen Meter groß. Auch alle anderen Kinder bringen das Versprochene mit. Ein Duplo-Turm und Figuren und Kanonen und viele Zeichnungen.
Wir nehmen nacheinander Szene für Szene auf. Der Bluetoothauslöser meines Mannes ist nach sechs Mal auslösen leer. Mein sechster Sinn tat zwar gut daran, einen eigenen zu bestellen. Nur leider - ist er zu Projektbeginn nicht pünktlich lieferbar. Also lösen wir jedes Bild händisch an der Kamera aus. Filmen zwischendurch auch direkt ab, was uns dazu einfällt. Am Ende des Tages haben wir fünf Szenen im Kasten. Jede Menge zusätzliche Zeichnungen. Begeisterte, glühende Kinder.
Auch die gefilzten Stop Motion Figuren staunen, wie konzentriert die Kinder am Film mitarbeiten.
Alexander begleitet mich an diesem zweiten Tag. Er ist ganz neugierig auf die Kinder, von denen ich ihm vorschwärme. Er übernimmt mit einer Lehrerin die Aufgabe, die Kinder dabei zu begleiten, ihre entwicklten Szenentexte am Handy einzusprechen.
In der Abschlussrunde bekommen wir zu hören, wie gern die Kinder weiter arbeiten würden. Die Zeit ist allen viel zu kurz! Wir versprechen, am ursprünglichen Projekt dran zu bleiben und es im Folgejahr wieder einzureichen.
Was dieses Mal nicht so gut klappt
wir nehmen aus zeitlichen Gründen keinen Gesang mehr auf
geplanten Theaterübungen führen wir zur Hälfte durch
die Kinder kennen sich am Handy nicht so gut aus, dass sie von sich aus Arbeitsprozesse mitfilmen und mitfotografieren, während eine Gruppe dreht, das übernehmen Erwachsene
Endspurt. Und Vorführung beim Schulschlussfest.
Ich sitze eine Weile bei der Nachbearbeitung des Films. Lerne eine Menge dazu über das Schneiden, Audios verbessern, Texte einfügen, Animationen ausprobieren oder Geräusche einfügen. Meine ganze Familie nimmt Anteil an dieser Arbeit.
Danke an alle Erwachsenen, die sich so achtsam zurück gehalten haben, damit den Kindern viel künstlerische und kreative Freiheit zur Verfügung stand. Danke auch allen, die mit angepackt haben, wenn es helfende Hände brauchte. Und danke an den OeAD, der dieses Projekt mitfinanzierte.
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