Ethel Rose

Es ist Sommer. Es sollte heiß sein. Ist es aber nicht. Dieser Sommer verschont die Menschen vor so vielem. Vor Sonnenbrand. Vor Hitzekoller. Vorm unnötigen Wegfahren. Vorm unnötigen Geldausgeben. Seufzend sitzt Ethel Rose in ihrer englischen Küche mit den weiß lackierten Holzstühlen. Vor dem Rosenteegeschirr mit dem zweiten Darjeeling. First Flush. Und vor der letzten Pfingstrose dieses Sommers, die sie vor dem nächsten Regenschwall abschnitt und in die Küche herein rettete.

Ethel Rose will heute endlich einkaufen gehen. Das Mandelmus ist aus. Und ohne Mandelmus schmeckt der ganzen Familie das vegane Curry nicht. Der Tipp kommt von ihrem besten Freund Till, dem Mann ihrer besten Freundin Claire aus dem Nachbardorf Kleinau. Seit der IT Experte pandemiebedingt zu Hause im Homeoffice arbeitet, kocht er. Manchmal. Wenn ihn Claire lässt.

Ethel Rose hat nicht damit gerechnet, dass ihre besten Freundinnen Claire und Eloise an ihren zweiundfünfzigsten Geburtstag denken. Heute. Niemand sollte daran denken. Über fünfzig. Sie geht auf die sechzig zu. Unfassbar! Als sie am späten Nachmittag vor ihrer Tür stehen und sie mit Champagner und Gladiolen überraschen, helfen keine Einwände. Die drei Freundinnen werden an diesem Abend nicht nur ihren Fünfuhrtee stilgerecht zu sich nehmen. Genauere Details dieses Geburtstags sollen noch lange Zeit hinter vorgehaltener Hand weiter erzählt werden.

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