Ein Praxis-Einblick in ein Kulturvermittlungsprojekt an der Volksschule
Ein Raum voller Kinder, ein oder zwei Pädagog:innen. Auf den Schultischen liegen als Materialbuffet Wolle, alte Stoffstreifen, Knöpfe, Papier, Draht und Werkzeug. In der Raummitte steht liebevoll hergerichtet eine vorgefertigte Figur als stiller Vorbote für das, was kommen mag. Den Kindern juckt es in den Fingern. Am liebsten würden sie durch die Materialkisten, Schachteln und geheimnisvollen handgenähten Taschen wühlen. Sie umschleichen die Figur, rätseln und berühren sie.
Doch bevor der erste Draht gebogen oder die erste Schere angesetzt wird, tauchen wir in eine ganz andere Ebene ein: in das Erleben einer Geschichte.
Ein Koffer voller Möglichkeiten: Wenn bunte Tücher, Stoffe und Requisiten den Auftakt für freies Spiel und Jeux Dramatiques an Volksschulen bilden.
Der Auftakt: Erst das Spiel, dann die Figur
Ein gutes Schulprojekt beginnt nicht mit einer Materialschlacht, sondern mit einem Funken. Meist bringe ich einen abgestimmten Geschichtenanfang mit. Er ist der Rahmen, den ich vorab mit der Schulleitung und den Lehrkräften auf die Themen der Klasse, der Region sowie den derzeitigen Herausforderungen vor Ort zugeschnitten habe.
Wir starten mit Jeux Dramatiques, dem ausdrucksstarken Theater ohne Worte. Wie wir das beim Theaterprojekt in der Volksschule Köstenberg gemacht haben, kannst du hier nachlesen.
Koffer auf: Ich öffne meine Koffer voller bunter Tücher, Stoffe und Accessoires.
Eintauchen: Ich lese den Beginn der Geschichte vor. Die Kinder wählen intuitiv ihre Rollen aus, ohne Sprechtext, rein über Bewegung, Körperausdruck und das Material. Sie finden und gestalten ihren Platz, von dem aus sie spielen werden.
Der Raum bekommt Struktur: Ein klarer Ton meines Gongs markiert den Anfang und das Ende jeder Spielsequenz.
Gemeinsam gestalten: Wir halten inne, reflektieren das Erlebte und spielen weiter. Im Tun entfaltet sich die Handlung schrittweise selbst.
Vom Jeux Dramatiques zur Theaterbühne: Wie Volksschulkinder in Bad Kleinkirchheim durch Verkleidung, Rollenspiel und Objekttheater Selbstbewusstsein und Ausdruckskraft stärken.
Erst wenn die Geschichte im Raum sichtbar wird und die Kinder spüren, wer darin eigentlich vorkommt, entsteht das eigentliche Aha-Erlebnis: Jetzt wissen wir, welche Hauptfiguren zum Leben erweckt werden müssen – und wer in den nächsten Wochen aus den Materialien entstehen möchte.
Werkeln ohne Schablonen: Der Schöpfungsprozess
Mittlerweile brennen die Kinder für ihre persönliche Figur. Endlich geht es an den Werktisch! Wie wird aus einem alten Strickpullover, etwas Füllwolle und dickem Karton eine echte Klappmaulpuppe? Wie bekommt ein Holzstab mit einer Kugel aus Paperclay plötzlich Haltung, Charakter und einen ganz eigenen Namen? Wie wird aus ein bisschen Schafwolle eine Stop-Motion-Figur? Wie wir das in der Volksschule Köstenberg gemacht haben, kannst du hier nachlesen.
In meinen Projekten gibt es keine fertigen Bastelbögen oder starren Anleitungen. Wir arbeiten ergebnisoffen, partizipativ und prozessorientiert. Jedes Kind wählt die Materialien aus, die sich beim Angreifen, Anschauen und zur Geschichte passend richtig anfühlen.
Nachhaltiger Figurenbau aus Upcycling-Materialien: Wenn Kinder aus Stoffresten und Socken ausdrucksstarke Klappmaulpuppen für das Schultheater gestalten.
Es wird gewickelt, geknotet, geklebt, genäht, kaschiert, geformt und gepolstert. Ganz nebenbei entsteht im Klassenzimmer eine wohltuende, analoge Auszeit. Die Hände greifen, tasten und probieren aus. Fehler gibt es dabei nicht: Jede ungerade Falte, jede schiefe Nase und jeder bunte Stoffrest verleiht der Figur erst ihre unverwechselbare Persönlichkeit und Seele.
Wenn Figuren sprechen lernen: Objekttheater im Klassenzimmer
Sobald das letzte Auge in die richtige Richtung schaut und der Filzhut zurechtgerückt ist, verändert sich die Stimmung im Raum. Aus den selbst geschaffenen Objekten werden lebendige Spielpartnerinnen.
Aufführung im Klassenzimmer in Oberkärnten: Kinder gehen im Objekttheater mit eigenen Klappmaulpuppen im Spiel vollkommen auf und vergessen, dass sie eigentlich Bühnenangst hatten.
Im einfachen Objekttheater führen die Kinder das fort, was sie im Jeux Dramatiques begonnen haben. Sie probieren nun auch mit Worten und Handlung aus, wie ihre Figuren sich bewegen, schauen, lachen oder Geheimnisse erzählen. Selbst leise Kinder finden über die eigene Puppe plötzlich eine überraschend mutige, direkte Stimme. Laute Kindern lernen, sich für das gemeinsame Spiel ein bisschen zurückzunehmen. Die Geschichtenkunst der Kinder wird zum Sprachrohr für ihre Gefühle und Phantasiewelten.
Kulturvermittlung an Schulen
Kreative Schulprojekte wie dieses verbinden bildende Kunst, nachhaltiges Upcycling und Theaterpädagogik direkt im Schulalltag.
Teilfinanzierbar: Als eingetragene Kunstschaffende im Pool der österreichischen Kulturvermittlung sind meine Schul- und Bildungsprojekte offiziell über den OeAD (Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung) buchbar und finanziell förderbar.
Zielgruppe: Speziell abgestimmt auf Volksschulen und Orientierungsstufen (Schwerpunkt 8 bis 12 Jahre).
Umfang: Maßgeschneidert, von kompakten Impulstagen bis hin zu mehrtägigen Projektwochen.
Du möchtest ein ähnliches Kunst- und Theaterprojekt an deine Schule holen? Wir besprechen deine Themenwünsche, die Altersgruppe und den einfachen Ablauf der OeAD-Einreichung ganz unkompliziert gemeinsam. In den folgenden Einblicken siehst du weitere Beispiele aus anderen Schulprojekten.
